
Ginkgo biloba L. ist ein langsam wachsender, 10 bis 40 m hoch werdender sommergrüner Baum, der über 1000 Jahre alt werden kann. Er ist der einzige Überlebende einer Gattung, die sich seit über 150 Millionen Jahren kaum verändert hat, und der einzige heutige Vertreter der Familie der Ginkgoaceae. Seit etwa 65 Millionen Jahren ist eine Art nachweisbar, deren fossile Blätter nicht von denen eines heutigen Ginkgos zu unterscheiden sind — daher wird er auch als «lebendes Fossil» bezeichnet. Ursprünglich in Mitteleuropa heimisch, ist er durch die Eiszeiten ausgestorben und hat in Asien überlebt, von wo er wieder verbreitet wurde.
Charakteristisch sind die lederartigen Fächerblätter, die oft gebüschelt an den Trieben stehen. Die Blattspreite hat keinen Mittelnerv und eine besondere Aderung: Die Adern verlaufen parallel und verzweigen sich gabelig, ohne nach der Gabelung an Stärke abzunehmen. Die Spreite ist oft tief eingeschnitten — daher der Beiname «biloba», zweilappig. Die intensiv grünen Blätter färben sich im Herbst leuchtend gelb. Ginkgo biloba L. ist eingeschlechtig: Es gibt rein männliche und rein weibliche Bäume. Die unscheinbaren Blüten erscheinen im Frühjahr; um zu blühen, muss der Baum 20 bis 30 Jahre alt sein. Im Herbst entwickeln sich an weiblichen Bäumen mirabellengrosse Samen, die im Reifezustand unangenehm riechen — daher sind in Mitteleuropa meist nur männliche Bäume zu finden.
Einheit von Bild und Spiegelbild, Gleichgewicht der Polaritäten
Alles in der Natur entsteht, wird bewegt und vergeht durch Kräfte, die aus dem Spannungsfeld zweier Pole hervorgehen. Dieses Polaritätsgesetz ist fundamental gültig und offensichtlich; wir finden es in den Gegensätzen von Tag und Nacht, Mann und Frau, Jugend und Alter usw. Trotzdem vergessen wir immer wieder, dieses Polaritätsgesetz in die Praxis unseres täglichen Lebens miteinzubeziehen.
Meist wird die eine Seite einer Sache bevorzugt und festgehalten, die dazugehörige andere Seite aber abgelehnt oder bekämpft. Dadurch geht Dynamik und Lebenskraft verloren, denn diese kann ausschliesslich im Spannungsfeld von Gegensätzen bestehen, die einander gleichberechtigt gegenüberstehen oder die sich in zeitlicher Folge ablösen. In unserer Kultur wird das kausal-analytische Denken der linken Gehirnhälfte überbewertet und gefördert, wodurch das analog-synthetische Denken der rechten Hirnhemisphäre vernachlässigt wird und verkümmert. Dabei kann auf die Dauer ein Vitalitätsverlust des Gehirns und eine Degeneration seiner Funktionen als Ganzes nicht ausbleiben.
Ginkgo symbolisiert mit seinem zweilappigen Blatt, das in sich selbst die beiden Pole – Männlich und Weiblich – vereinigt, die Einheit und das Gleichgewicht der Polaritäten. Da im Gleichgewicht die Lebenskraft am stärksten ist, hat der Ginkgobaum eine sehr hohe Vitalität, was seine enorme, im Pflanzenreich unübertroffene Widerstands- und Regenerationskraft beweist. Diese Vitalität regeneriert die Leistungsfähigkeit des Gehirns, jenes Organs, das als einziges in unserem Körper beide Pole in sich birgt.
Ginkgo
Das zweilappige Ginkgoblatt übte schon immer eine grosse Faszination auf den Menschen aus. Es dient als Motiv für Schmuck und Ornamente, wird in der bildenden Kunst dargestellt, verziert wertvolle Gebrauchsgegenstände und erscheint in Firmenlogos. In der GoetheStadt Weimar begegnet uns auf Souvenirs das berühmte Gedicht des grossen Dichters über das Ginkgoblatt auf Schritt und Tritt. Dem Ginkgoblatt haftet die Aura des Aussergewöhnlichen an, denn es gibt kein anderes Blatt, das ihm nur annähernd vergleichbar wäre.
Der Ginkgobaum scheint in der Evolution am Übergang zwischen Nadelbäumen und den höher entwickelten Laubbäumen zu stehen. Die Botaniker sprechen von einem lebenden Fossil, weil der Ginkgo aus einer sehr alten Pflanzenfamilie stammt, die bis auf diese eine Art ausgestorben ist. Der Ginkgo ist wohl eines der tiefgründigsten Symbole aus der Natur für das Mysterium des Menschseins. Der Mensch, ein gespaltenes Doppelwesen; der Einheit entsprungen, zur Einheit gerufen. Die Trennung in zwei polare Hälften ist ein umfassendes Merkmal von Mensch und Natur, nicht nur der Geschlechter.
Alles steht unter dem gleichen Gesetz der Polaritäten, der Gegensätze, die sowohl Leben als auch Konflikt und Tod hervorbringen. Die Spaltung in die Polaritäten und ihre Konflikte hat einen Anfang. Die Bibel spricht vom Essen der Früchte des Baums der Erkenntnis von Gut und Böse. Dies ist die symbolische Andeutung dafür, dass die Trennung, der Verlust der Einheit der beiden Lebenspole, im Bewusstsein und Denken begründet liegt.
Spiegelbildlich dazu gründet der Weg zurück zur Einheit in einem anderen, neuen Bewusstsein, genährt aus den Früchten des Baums des Lebens. Warum zeigt uns gerade das zweilappige Ginkgoblatt (lateinisch biloba = zweilappig) das Wesen von Teilung und Einheit, wo es doch auch viele andere Pflanzen gibt, die in irgendeiner Weise die Zahl zwei zum Ausdruck bringen? Die Antwort finden wir in der Blattnervenstruktur des Ginkgos. Um jedoch deren Besonderheit zu begreifen, müssen wir uns zuerst die Struktur der Nervatur, wie sie üblicherweise auftritt, vor Augen führen.
Die entwicklungsgeschichtlich einfacheren Pflanzenarten (einkeimblättrige) haben Blätter mit parallel laufenden Nerven. Die höher entwickelten (zweikeimblättrige) haben meistens Blätter mit einer netzartig verzweigten Nervenstruktur; wir erkennen einen Hauptnerv in der Mitte des Blattes, daraus verzweigen sich Nebennerven, und von diesen trennen sich wiederum kleinere Nerven ab. Im Überblick betrachtet zeigt sich oft ein ähnliches Bild wie das eines grossen Stroms mit Nebenflüssen und Nebenbächen. Manchmal haben Blattnerven auch eine Netzstruktur. Beim Ginkgoblatt finden wir nun die Ausnahme eines streng zweiteilig gegabelten Verzweigungsmusters.
Folgen wir einem Nerv vom Blattgrund nach aussen, so finden wir an der Verzweigungsstelle kein seitliches Abzweigen eines kleineren Nervs, sondern der Ursprungsnerv teilt sich in zwei genau gleich starke Folgenerven und so weiter. Das ergibt für die Verzweigung der Nerven dasselbe Muster, wie wenn wir Ja-Nein-Entscheidungsprozesse in Form eines Baumdiagramms grafisch darstellen. Gehen wir also vom Ursprung des Ginkgoblatts zur Peripherie, so folgen wir einem Weg der wiederholten Spaltung in Zwei (= Analyse), gehen wir den umgekehrten Weg, von der Peripherie zum Ursprung, so folgen wir einem Weg der wiederholten Vereinigung von Zwei (= Synthese). Angesichts dieser tiefgründigen Struktur der Nervatur könnte es beinahe schon banal wirken, auf die frappante Ähnlichkeit der Peripherie des zweilappigen Ginkgoblattes mit einem Querschnitt durch die beiden Hirnhälften hinzuweisen.
Der Ginkgo ist in seiner Wildform vermutlich in China heimisch. Heute ist als als Kulturpflanze in Parks und Gärten sowie als Strassenbaum weltweit verbreitet. Ginkgo für pharmazeutische Zwecke wird in Plantagen in China, Frankreich und den USA angebaut.
Ceres verwendet Ginkgoblätter aus Wildsammlung. Die Blätter werden im Spätsommer vor der Gelbfärbung, sorgfältig von Hand, geerntet.
Der ursprünglich aus Asien stammende Ginkgo biloba L. gilt als besonders gut untersuchte Heilpflanze, der eine durchblutungsfördernde Eigenschaft zugewiesen wird (Förderung der Mikrozirkulation). Durch die Verbesserte Durchblutung des Gehirns soll er die Hirnleistung bei Gedächtnisschwäche fördern, aber auch bei Tinnitus und Schwindel (Durchblutung des Innenohrs) helfen. Zur Erklärung der durchblutungssteigernden Wirkungen kann eine Entspannung der Blutgefäße und auch eine Verbesserung der Fließfähigkeit des Blutes herangezogen werden. Weitere Forschungen befassen sich mit der Frage, inwieweit die Wirkungsweise von Präparaten aus Ginkgoblättern auf antioxidative Effekte gegen freie Radikale zurückzuführen ist. Die Pflanzenheilkunde konzentriert sich bei der Verwendung von Ginkgo biloba L. auf die Herstellung standardisierter Spezialextrakte die primär bei Störungen des zentralen Nervensystems und leichten dementiellen Erkrankungen angewendet werden. Auch beim Ginkgo biloba L. kann man erkennen, dass sich Heilpflanzen in den meisten Fällen nicht eindeutig einer Therapierichtung zuordnen lassen, sondern ganzheitlich zu betrachten sind. Zum Beispiel findet man das Anwendungsgebiet «Kopfschmerz» sowohl in der Pflanzenheilkunde, als auch in der Homöopathie wieder.
1. Hänsel, R. & Steinegger, E. Hänsel / Sticher Pharmakognosie Phytopharmazie. (Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft GmbH, Stuttgart, Deutschland, 2015).
2. Hänsel, R., Keller, K., Rimpler, H. & Schneider, G. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis Band 5 Drogen E-O. (Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1993, 1993).
3. Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). Assessment report on Ginkgo biloba L ., folium. EMA/HMPC/321095/2012 (2014).
4. BGA/BfArM (Kommission D). Ginkgo biloba. Bundesanzeiger 217 a, (1985).
5. Kalbermatten, R. & Kalbermatten, H. Pflanzliche Urtinkturen. (AT Verlag, Aarau, Schweiz, 2014).
6. Kalbermatten, R. Wesen und Signatur der Heilpflanzen. (AT Verlag, Aarau, Schweiz, 2016).
Frisch geerntet, von Hand verlesen, bei Raumtemperatur vermörsert und über Jahre gereift. Keine Erhitzung, kein Druck — die volle Lebenskraft der Pflanze, bewahrt.

Ein neu eingerichtetes Labor in der Ceres Forschung und Entwicklung widmet sich einer fast hundert Jahre alten Methode: der Kupferchlorid-Kristallisation. Sie soll Qualitäten unserer Urtinkturen sichtbar machen, die sich einer rein chemischen Analyse entziehen — Lebendigkeit, Frische, innere Kohärenz.
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