
Aesculus hippocastanum
Aufrichtekraft, Leichtigkeit, Selbstkontrolle, Sammlung, Ernst und Fröhlichkeit, Licht im Dunkel
Die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum L.) ist ein sommergrüner, relativ kurzlebiger Baum, der bis 35 m hoch werden kann. Sie gehört zur Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae) und tritt in Mitteleuropa nur angepflanzt oder verwildert auf — ihre Heimat ist Südosteuropa. Der Stamm ist kurz und zeigt oft Drehwuchs; das Holz ist hell und weich. Aus seinen klebrigen Knospen entfalten sich im Frühjahr die typischen, grossen Laubblätter, die im Gegensatz zu allen einheimischen Baumarten gefingert sind. Die 5 bis 7 Teilblätter hängen anfangs schlaff nach unten, richten sich später auf und breiten sich waagrecht aus.
Im April und Mai stehen die weissen Blüten in reichblütigen Blütenständen zusammen. Sie weisen Saftmale auf, die zuerst gelb, nach der Bestäubung rot sind — Insekten erkennen den Farbumschlag und fliegen die bestäubten Blüten nicht mehr an. Früchte entwickeln sich nur in den unteren Teilen der Blütenstände, da wegen der Schwere nur wenige Blüten zu Früchten heranwachsen können. Der Samen ist in eine grüne stachelspitzige Fruchtschale verpackt, die sich beim Aufprall öffnet und den glänzend braunen Samen freigibt.
Aufrichtekraft, Leichtigkeit, Selbstkontrolle, Sammlung, Ernst und Fröhlichkeit, Licht im Dunkel
Die Rosskastanie besitzt die Kraft, den Menschen aufzurichten; sie bringt Prozesse, die der inneren Führung entgleiten, sich dadurch in Belanglosem, Unwichtigem verlieren und selbständig machen, wieder unter Kontrolle. Unkontrollierte, kreisende Gedanken und ein Mangel an innerer Führung werden durch das Wesen der Rosskastanie positiv beeinflusst ebenso wie das Blut, das infolge venöser Insuffizienz nicht mehr ungehindert zum Herz zurückfliessen kann. Eine Schwäche der inneren Führung kann sich in einer oberflächlichen Fröhlichkeit (einem Mangel an Ernst) oder in einer übertriebenen Ernsthaftigkeit äussern.
Das Wesen der Rosskastanie fördert den angemessenen Wechsel und das richtige Mass von Ernst und Fröhlichkeit. Der Aesculus-Typ ist ernst und tendenziell schwermütig. Er trägt Verantwortung mit grosser Hingabe bis zur Verleugnung seiner eigenen Bedürfnisse.
Es fehlt ihm die Leichtigkeit, er kann nicht spielerisch mit Situationen und Tatsachen umgehen und neigt zu Schuldgefühlen. Er empfindet ein starkes Bedürfnis nach Kontrolle; mit belastenden Ereignissen beschäftigt er sich tagelang, «kaut sie wieder» und kann sie nicht loslassen. Er lässt sich zuweilen von der Last der Verantwortung niederdrücken, es können Kreuzschmerzen entstehen. Durch den Einfluss der Rosskastanie können Körper und Psyche wieder aufgerichtet werden.
Die positive Energie der Rosskastanie wird symbolisiert durch das Kind, das noch spielerisch und mit Begeisterung jeder Situation mit Interesse und Neugierde begegnet. Es verbreitet eine sprühende, lichtvolle Freude. Mit derselben Leichtigkeit rollt die reife Frucht der Kastanie glänzend, rund und frisch aus der geplatzten Schale.
Rosskastanie
Schon im Januar beginnen sich die Knospen der Rosskastanie stark zu vergrössern und mit einer glänzenden, klebrigen Schicht zu überziehen. Ihre pralle Wölbung verheisst eine reiche Substanzbildung. Wenn sie sich dann im Frühling weit öffnen und die Blätter aus ihrer Umhüllung entlassen, sind diese schon zu gross und schwer und doch noch zu schwach, um sich aufzurichten. Schlaff hängen die Teilblätter am schräg nach oben gerichteten Blattstiel nach unten.
Wie die Glieder unbelebter Marionetten fallen die Teilblätter in sich zusammen, nur am einen Punkt des Stielendes gehalten. Nach und nach werden sie von einer aufrichtenden Kraft wie an Fäden emporgezogen, bis sie die richtige, waagrechte Lage einnehmen, um sich dem Sonnenlicht hinzuwenden. Der Glanz der Rosskastanie ist nur von kurzer Dauer. Die Blätter sind handförmig gefiedert mit 5 bis 7 Teilblättern.
Alle Teile entspringen einem zentralen Punkt am Ende des Blattstiels. Von hier aus wird die ganze Blattgestalt zusammengehalten, genährt und kontrolliert. Eine seltene Blattstruktur; meist verzweigen sich die Fiederblätter je seitlich von einer durch die Mitte der Blattkomposition geführten Achse. Haben sich die Blätter einmal in die Ebene ausgebreitet, ist die Blütenbildung schon fortgeschritten.
Wie Blütenlichterkerzen schmücken die weissen Blütenstände Frühling für Frühling die Baumkronen der Kastanien. Aus der Nähe betrachtet, versuchen wir die Blüte in ihrer Struktur zu verstehen und nachzuvollziehen, wie sich die einzelnen Kron- und Staubblätter zueinander fügen. Ein schwieriges Unterfangen! Nur mit angestrengter Gedankenkraft wird die Ordnung der Rosskastanienblüte erfassbar. Doch vergessen wir die Botanik und geben wir uns der Ausstrahlung dieser Blüte hin.
Ihre strahlend weissen Kronen mit den leuchtend roten und gelben Farbtupfern im Schlund sind einfach prächtig anzusehen. Später, im Sommer, hat die Rosskastanie mit ihrem dichten Blattwerk eine völlig geschlossene Baumkrone gebildet, die den Sonnenstrahlen jeglichen Durchgang auf den Grund verwehrt; ein perfekter Schattenspender. Deshalb ist dieser Baum so beliebt in Gartenrestaurants. Im Herbst freuen sich die Kinder an den prallen braunen Samen, den Kastanien.
Umschlossen von einer fleischigen und stacheligen grünen Fruchtschale reifen die Samen heran. Dann spaltet sich die Fruchtschale und lässt die Samen zur Erde fallen. Der Glanz der frisch «geschlüpften» Kastanien verblasst nach kurzer Zeit; er scheint nicht für die Aussenwelt bestimmt, er wirkt im Innern der Frucht. Zusammengefasst erkennen wir in der Rosskastanie aufrichtende und zentral kontrollierende Kräfte sowie die Durchdringung des abgedunkelten Innenraums mit lichthaftem Weiss, leuchtenden Farben und spiegelndem Glanz.
Die Rosskastanie stammt ursprünglich vom Balkan (Albanien, Griechenland, Nordmazedonien) und wurde im 16. Jahrhundert in ganz Europa als Park- und Alleebaum eingeführt. Heute ist sie in Mitteleuropa allgegenwärtig in Parks, Alleen und Biergärten. Sie bevorzugt tiefgründige, frische und nährstoffreiche Böden.
Ceres verwendet ausschliesslich reife Samen (Kastanien) aus Wildsammlung in der Schweiz. Die Ernte erfolgt im September und Oktober, wenn die Samen von selbst aus den stacheligen Schalen fallen — ein natürlicher Hinweis auf den optimalen Reifegrad.
Die Rosskastanie ist ein klassisches Venenmittel. Verwendet werden die Samen z.B. direkt als Tee oder in Form von Fertigarzneimitteln. Schwerpunkt der Anwendung in der Pflanzenheilkunde ist die chronisch venöse Insuffizienz. Die Homöopathie wendet Aesculus hippocastanum zudem bei Lenden- und Kreuzbeinschmerz an. Die Folgen des stagnierenden Blutrückflusses im Venensystem sind äußerst vielfältig. Im Bereich der Beine empfinden die Betroffenen zumeist Schwellung, Schmerzen, Schweregefühle und Juckreiz. Vielfach kommt es zu nächtlichen Wadenkrämpfen. Zudem besteht auch eine ausgeprägte Neigung zu Ödemen und Krampfaderbildung. In schwerwiegenden Fällen kommt es zu Thrombosen oder Ulcus cruris. Aus der Rosskastanie gewonnene Arzneimittel können hier aufgrund ihrer gefäßabdichtenden, ödemprotektiven, venentonisierenden und entzündungshemmenden Eigenschaften Linderung verschaffen. Pfortaderstau und Hämorrhoidalleiden sind ebenfalls Teil des venösen Symptomenkomplexes. Bei Sportverletzungen mit lokaler Ödembildung und Blutergüssen kann Aesculus hippocastanum auch äußerlich angewendet werden.
1. BGA/BfArM (Kommission D). Aesculus hippocastanum (Aesculus). Bundesanzeiger 190 a, (1985).
2. Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). Community Herbal Monograph on Aesculus Hippocastanum L., Semen. (2009).
3. Hänsel, R. & Steinegger, E. Hänsel / Sticher Pharmakognosie Phytopharmazie. (Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft GmbH, Stuttgart, Deutschland, 2015).
4. Madaus, G. MADAUS LEHRBUCH DER BIOLOGISCHEN HEILMITTEL BAND 1-11. (mediamed Verlag, Ravensburg, 1990).
5. Kalbermatten R, Kalbermatten H. Pflanzliche Urtinkturen. 7th ed. AT Verlag, Aarau, Schweiz; 2014.
6. Kalbermatten R. Wesen Und Signatur Der Heilpflanzen. 9th ed. AT Verlag, Aarau, Schweiz; 2016.
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