Ceres Redaktion · 10. April 2026

Eine qualitative Studie des Universitätsspitals Zürich fragt nicht nach Mittelwerten — sondern danach, was Menschen wirklich wahrnehmen, wenn sie Passiflora incarnata einnehmen.
Studienquelle: Canella C, Bachmann C, Wolfensberger B, Witt CM. Journal of Ethnopharmacology, 2019
Studiendesign: Qualitative, phänomenologische Beobachtungsstudie
Publiziert: März 2019 · DOI: 10.1016/j.jep.2018.11.022
Hinweis: Qualitative Studie — keine quantitativen Wirksamkeitsaussagen
Passiflora incarnata, die Passionsblume, gehört zu den wenigen Heilpflanzen, die in der westeuropäischen Phytotherapie seit dem 19. Jahrhundert kontinuierlich verwendet werden — für Unruhe, Schlafstörungen, Angst. Klinische Studien haben unterschiedliche Präparate auf ihre Wirksamkeit hin untersucht. Was in diesen Studien meist fehlt, ist die andere Hälfte der Geschichte: Wie erleben Menschen den Prozess des Einnehmens selbst? Was nehmen sie wahr, wie deuten sie es, was verändert sich in ihrem Alltag?
Eine Forschungsgruppe des Instituts für Komplementär- und Integrative Medizin des Universitätsspitals Zürich hat genau diese Fragen untersucht — mit einem Ansatz, der in der Heilpflanzenforschung selten ist: einer qualitativen, phänomenologischen Studie.
Acht deutschsprachige Patientinnen und Patienten in der Schweiz (48 bis 80 Jahre alt) nahmen an der Studie teil. Sie alle erhielten die Ceres Passiflora incarnata Urtinktur — einen ethanolischen Frischpflanzenextrakt — erstmals verschrieben, von Ärztinnen und Ärzten mit Spezialisierung in Phytotherapie.
Die Studie kombinierte mehrere Methoden: Fragebögen vor und nach der Behandlung, Tagebücher während der Einnahme sowie eingehende persönliche Interviews. Die Auswertung erfolgte mit qualitativer Inhaltsanalyse, narrativer Inquiry und der dokumentarischen Methode — Ansätze, die auf das Verstehen von Bedeutung und Erleben ausgerichtet sind, nicht auf statistische Auswertung.
Das Ziel war dabei explizit nicht, die Wirksamkeit der Tinktur zu bestimmen. Es ging darum, was die Patientinnen und Patienten selbst wahrnahmen und wie sie ihre Erfahrung interpretierten und in ihre Biographie einbetteten.
Aus dem Material kristallisierten sich drei distinkte Typen biografischer Erzählungen heraus:
Diese Patientinnen und Patienten beschrieben einen Wandel: Sie waren zuvor stark leistungsorientiert und bewegten sich während der Einnahme in Richtung einer Neugewichtung von Prioritäten — hin zu mehr Ruhe und innerem Gleichgewicht. Die Passionsblume begleitete in diesen Berichten einen persönlichen Veränderungsprozess.
Diese Gruppe behielt ihre Leistungsorientierung bei, beschrieb aber gleichzeitig eine neu zugängliche Ruhe — eine Art parallele Qualität, die sich in den Alltag einfügte, ohne ihn grundlegend zu verändern.
Bei dieser Gruppe blieb die Leistungsorientierung bestehen, und die Beschwerden hielten an. Eine subjektive Veränderung durch die Tinktur wurde nicht beschrieben.
Die Studie macht sichtbar, dass Patientinnen und Patienten dieselbe Pflanze, denselben Extrakt, in grundlegend unterschiedlichen Lebenssituationen einnehmen — und entsprechend unterschiedliche Erfahrungen damit machen.
Die Passionsblumenstudie ist keine Wirksamkeitsstudie. Sie macht keine Aussage darüber, ob Passiflora incarnata bei Angst oder Schlafstörungen klinisch wirksam ist — das war nicht ihre Frage. Ihre Stärke liegt anderswo: Sie zeigt, dass das Erleben eines Heilmittels tief in der Biographie und den persönlichen Werten der einnehmenden Person verankert ist.
Für die Praxis bedeutet das: Der Kontext der Einnahme, die Haltung der behandelnden Person, das Gespräch über die Pflanze und ihre Qualitäten — all das ist nicht Beiwerk, sondern Teil des therapeutischen Prozesses. Dieser Gedanke ist in der komplementären Medizin vertraut, wird aber selten so direkt mit qualitativer Forschung belegt.
Die Studie wurde von Forscherinnen des Instituts für Komplementär- und Integrative Medizin des Universitätsspitals Zürich und der Universität Zürich durchgeführt. Christoph Bachmann hat als freiberuflicher Pharmaberater für Ceres Heilmittel AG gearbeitet und brachte sein pharmakologisches Wissen über Passiflora incarnata in die Studie ein. Die Studie erhielt zusätzliche Finanzierung durch Ceres Heilmittel AG. Diese Angaben sind in der Publikation offengelegt.
Es ist bemerkenswert, dass diese Studie in der Hypericum-Studie von 2025 als methodisches Referenzbeispiel für qualitative Forschung mit Ceres-Urtinkturen zitiert wird — beide gehören zu einem wachsenden Korpus von Arbeiten, der das Spektrum der Erkenntnismethoden in der Heilpflanzenforschung bewusst erweitert.
Passiflora incarnata wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als Heilpflanze in Europa etabliert und ist heute in der Schweizerischen Pharmakopöe aufgeführt. In der Schweiz sind verschiedene Zubereitungsformen zugelassen — darunter ethanolische Extrakte wie die Ceres Urtinktur. Die Pflanze wird in der westeuropäischen Phytotherapie traditionell bei nervöser Unruhe, Einschlafstörungen und Angstzuständen eingesetzt.
Canella C, Bachmann C, Wolfensberger B, Witt CM. Patients' experiences attributed to the use of Passiflora incarnata: A qualitative, phenomenological study. J Ethnopharmacol. 2019;231:295-301. DOI: 10.1016/j.jep.2018.11.022
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